Stress macht dumm

 

Warum Stress unsere Gesundheit angreift und unsere Wirtschaft auf Sicht zugrunde richtet. Lesen Sie hier....

Artikel bewerten
(1 Stimme)

Sie haben richtig gelesen: Stress macht dumm! So einfach ist das.

Stress reduziert unser Denken, unsere Kreativität, unsere Flexibilität und unsere Fähigkeit mit Veränderungen visionär umzugehen. Das lässt sich medizinisch darstellen. Unter hohem Stress kennt unser Gehirn nur noch „Fight or Flight“. Flucht oder Kampf – der alltägliche Wahnsinn, dem deutsche Arbeitnehmer fortwährend ausgesetzt sind. Man nennt das auch Work-Life-Balance. Übersetzen Sie „Work“ mit Kampf und „Life“ mit Flucht (= Wochenende, Urlaub oder Lottogewinn) – schon offenbart sich die gesamte Idiotie des Konzepts. Work-Life-Balance. Wem ist das eigentlich eingefallen? Arbeitszeit ist Lebenszeit. Punkt. Dies zu trennen, ist meines Erachtens einer der größten Sargnägel unseres Wirtschaftssystems – und unserer psychischen wie physischen Gesundheit. Was ist das für ein Leben, wenn der größte Teil damit zugebracht wird, nicht zu leben, sondern scheinbar „nur“ zu arbeiten. Armes Deutschland!

Dauerstress vs. kurzfristiger Stress
Wichtig an dieser Stelle ist es, zu erwähnen, dass mit Stress nicht jener kurzfristige Stress gemeint ist, dem wir ausgesetzt sind, wenn besondere Herausforderungen anstehen oder der berüchtigte „Säbelzahntiger“ um die Ecke biegt. Dieser kann uns schon mal, geistig wie körperlich, zu Höchstleistungen befähigen. Kurzfristig, wohlgemerkt! Denn er muss – quasi nach getaner Arbeit oder Anspannung – wieder in Entspannung münden. So hat sich die Natur das gedacht. Gemeint ist hier der völlig unnatürliche Dauerstress, dem sich unsere Gesellschaft unterworfen hat, und der längst nicht mehr nur ein individuelles Problem darstellt, dem man mit ein paar Achtsamkeitsübungen beikommen könnte; Dauerstress, der keine Entspannung mehr kennt, und der zur Anstecknadel einer Nation von Leistungsträgern geworden ist. Wer was kann und wer was leistet, der ist gestresst; muss es sein. Es gilt: Je mehr Stress man hat, umso wichtiger ist man. „Muss nur noch kurz die Welt retten, noch 148 Mails checken...“ singt Tim Bendzko im gleichnamigen Song und bringt es auf den Punkt.

Je sinnfreier die Branche, umso größer der Stress
Die Folge: Man trifft fast niemanden mehr, der nicht total gestresst ist. Je sinnfreier die Branche, umso gestresster die Leute. Das liegt daran: Wer in seiner Arbeit tiefen Sinn empfindet, der fühlt sich auch in "stressigen" Situationen lediglich gut beschäftigt. Wer hingegen wenig bis keinen Sinn in seiner Arbeit sieht, den stressen schon kleinste Belastungsspitzen. So erklärt sich auch die Definition von Stress, die da lautet: Stress ist, was dich stress!

Mittlerweile gibt es nicht nur beruflichen Stress, sondern auch noch Freizeitstress, Urlaubstress und Beziehungsstress. Es scheint, als würde der Stress zum Gradmesser eines erfüllten, erfolgreichen und anspruchsvollen Lebens gehören. Selbst Grundschüler leiden schon unter Stresssymptomen. Die Eltern haben schließlich gut gemeinte Pläne für die Zukunft. Der Übertritt von der Grundschule in die weiterführende Schule wird zum Stresstest für die gesamte Familie. Das Gymnasium ist das Ziel. Dabei geht der Stress dann erst richtig los.

Wann sind Menschen rentabel?
Grundsätzlich ist Stress ja eine ganz hervorragende Reaktionskette unseres Körpers. Dauerstress hingegen findet man immer dann, wenn der Druck so gar nicht mehr verschwinden mag. Angefangen hat dies sicher mit der Industrialisierung unseres Landes. Damals gab man nicht viel auf die Befindlichkeiten des Einzelnen. Der Mensch wurde zur Maschine, zum Produktionsfaktor reduziert. Seither hat sich so viel nicht geändert. Klar ist: Der Mensch im Unternehmen muss sich auch heute noch lohnen, rentabel sein. Da greift die goldene Regel aller Unternehmensberater: „Miss es oder vergiss es“. Sie beschwört in Unternehmen die Allmächtigkeit der Kennzahlen herauf. Schließlich müssen sich Erfolg, Produktivität und Fortschritt in harten, vergleichbaren Zahlen dokumentieren lassen. Was sonst?

Wer lacht, hat Luft!?
Doch wie bemisst man die Leistungsfähigkeit, die Einsatzbereitschaft oder die Motivation eines Menschen in Zahlen? Schwierig. An seinem Output? Am Blutdruck? Oder vielleicht doch an seinem Stresslevel? So galt unter den Gründervätern des deutschen Wirtschaftswunders (es heißt vermutlich auch deshalb nicht Gründermütter) die Regel: „Wer lacht hat Luft“ – und noch nicht genug Stress. Also rauf mit der Arbeitsbelastung, rauf mit dem Leistungsdruck. Da geht noch was. Erst, wenn der Stress einsetzt und einem das Lachen vergeht, läuft die „Maschine“ Mensch unter Vollauslastung – sprich er ist rentabel. Das leuchtet ein. Und macht krank. Denn der Mensch ist vieles, aber keine Maschine. Er arbeitet unter Volllast = Dauerstress eben nicht rentabel. Das zeigen die chronischen Krankheiten, die Dauerstress nach sich zieht. Die WHO proklamierte erst kürzlich Stress als größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts. Der Wert eines Menschen darf deshalb NICHT positiv mit seinem Stresslevel korrelieren. Er bemisst sich NICHT am Ausgepowert-Sein. Auch wenn wir alle das glauben.

Der Wandel der Arbeitswelt ist dringend notwendig
Bloß, weil wir im Dauerstress gefühlt Übermenschliches leisten, sind wir lange nicht so gut, wie wir sein könnten – so ganz ohne Stress. Hier beginnt die große Verschwendung von Potenzial in unserem Land. Etwas, was Toyota und Konsorten bei all den Lean-Production-Bemühungen offenbar übersehen haben. Darum hole ich das jetzt nach: Muda #8: Vermeiden Sie Stress im Unternehmen und gestresste Mitarbeiter. Klingt absurd, nicht wahr? Und nach einem kräftigen Wandel der Unternehmenskultur. Denn wir benötigen dringend neue Arbeitswelten. Denn dieser, unsere Hirnkapazitäten mindernde Dauerstress, könnte einer der Gründe sein, warum wir unsere Wirtschaftskraft und die Menschen gleich mit vernichten. Nur, weil wir uns einbilden, dass wir gestresst bessere, wichtigere, überlegenere Menschen wären. Wir müssen umdenken. Heute, hier und jetzt. Denn uns läuft die Zeit davon. Deutschlands Illusionen platzen – eine nach der anderen. Dachten Sie vielleicht, wir sind in unserer Getriebenheit noch die Innovationsführer der Welt? Nein. Sind wir nicht. Das ist, laut Global Innovation Index von 2019, die Schweiz. Ja, die Schweiz, wo alles deutlich ruhiger, langsamer und werteorientierter zugeht, als in unserem Lande. Ranglisten Zweiter sind die Schweden, gefolgt von den Niederlanden, den USA und Großbritannien. Deutschland ist mit Platz 9 immerhin noch unter den Top Ten. Jedoch: Unsere Schlüsselindustrien schwächeln. Wir haben das Auto zwar erfunden, neu denken tun es andere – während wir eifrig an Fahrverboten und miesen Dieseltricks rumwerkeln. Unser Bildungssystem ist überaltert. Es fehlt an Lehrern und zukunftsweisenden Konzepten. Wir haben europaweit die höchsten Stromkosten, eine Energiewende ist nicht in Sicht, die Klimakatastrophe hingegen schon. Sie können die Liste der Schieflagen im Lande – und in der Welt – beliebig persönlich erweitern.

Es liegen enorme Aufgaben vor uns – und Geburtenschwache Jahrgänge
Die großen Herausforderungen unserer Zeit werden wir deshalb nur lösen, wenn jeder Einzelne in der Lage ist, sein volles Potenzial einzubringen. Es ist an der Zeit, wieder klar zu denken und uns aus der Stressfalle zu befreien. Nicht die Gestressten sind es, die unser Land in die Zukunft tragen werden, sondern die Inspirierten, die Kreativen, die Visionäre, die Verrückten – The Crazy Ones. Denen widmete Apple schon 1997 einen legendären Werbespot. Jene, die genügend Raum in ihrem Hirn haben, für Denkprozesse, die weit über die Möglichkeiten eines gestressten Hirns hinausgehen. Sie werden die Welt verändern ¬– indem sie ihre Arbeit mit Sinn anreichern, ihre Aufgaben mit Leidenschaft erfüllen und auf diese Weise Profite erzielen. Auf allen Ebenen. Für die Welt, die Gesellschaft und ein gutes Leben. 

Workshop & Sprint

Wie das gehen soll? Machen Sie einen Anfang. Ihrem Unternehmen und Ihren Beschäftigten zuliebe. Erste Ansätze zum Kulturwandel im Unternehmen erarbeiten wir für Sie in unseren Workshops. Darin befähigen wir Ihr Team deutlich sinn- und werteorientierter zu denken und zu handeln. Wir vermitteln wertvolles Wissen über den positiven Umgang mit Stress und eine Erhöhung der eigenen Stressresilienz, also der körperlichen und geistigen Widerstandskraft in herausfordernden Situationen. Je nach Zielsetzung konzipieren wir ein passgenaues Framework für Ihre Herausforderung. Wir suchen nach der eigentlichen Problematik und entwickeln im gemeinsamen Sprint gemeinsam mit dem Team erste Lösungen und Konzepte für eine neue Arbeitswelt. Das Format eignet sich für Kunden, die vor einer konkreten Problemstellung stehen und in kurzer Zeit Ergebnisse erzielen möchten.

 

NEHMEN SIE JETZT KONTAKT AUF!

Dipl.-Kffr. Daniela Wiessner
Tel.: +49 172 5853027
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Foto: Credits @ SARINYAPINNGAM | istockphoto.com

Letzte Änderung am Dienstag, 10 Dezember 2019 14:45

Schreibe einen Kommentar

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.